Reinkarnation

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Reinkarnation

Beitrag von Tinkabella am Fr Jul 30, 2010 10:35 am

Der Begriff Reinkarnation /ˌreːinkarnat`sion (lateinisch Wiederfleischwerdung) bezeichnet die Idee, dass die menschliche Seele nach dem Tod (Exkarnation) auf dieser Erde oder anderen Existenzbereichen wieder als empfindendes Wesen geboren (inkarniert) wird. Dieses Konzept wird auch als Wiedergeburt, Seelenwanderung, Transmigration oder Metempsychose bezeichnet. Die außerkörperliche Erfahrung steht in engem Zusammenhang mit dem Begriff Reinkarnation. In einigen, aber keineswegs allen Reinkarnationslehren steht auch der Begriff des Karma damit in einem engen Zusammenhang.

Die Vorstellung eines neuen Lebens nach dem Tod ist (in Verbindung mit animistischen und/oder gnostischen Vorstellungen) in vielen Kulturen und religiösen Lehren verbreitet: im Griechenland der Antike, im römischen Kaiserkult, im Manichäismus und weiteren gnostischen Strömungen, in der jüdischen Kabbala, in der Mystik des Islam und in der modernen Esoterik. Eine systematische Reflexion erfuhr die Reinkarnationslehre vor allem aber in den östlichen Religionen Hinduismus, Jainismus und Buddhismus, in oft verfremdeter Art und Weise in New-Age-Religionen sowie in der europäischen Tradition im Wesentlichen in der Anthroposophie von Rudolf Steiner.




Sonstige Reinkarnationslehren
Theosophie
In der Theosophie wurde zuerst von Helena Petrovna Blavatsky die Reinkarnation der östlichen Religionen mit dem Konzept der Evolution kombiniert - die Einzelseele entwickelt sich von Leben zu Leben weiter und steigt zu immer höheren Seinszuständen auf, wobei es, im Gegensatz zum Hinduismus und Buddhismus, keine Rückschritte sondern höchstens Stillstand gibt. Ebenfalls im Gegensatz zu den traditionellen östlichen Religionen ist das Ziel der Weiterentwicklung gewöhnlich eine Vervollkommnung des Individuums, das ein Individuum bleibt und nicht im Brahma oder Nirwana aufgeht.

Dieses Konzept wurde, mit leichten Abwandlungen, von den meisten neueren Richtungen der Esoterik übernommen, z.B. von der Anthroposophie, der anthroposophisch inspirierten Christengemeinschaft, den Rosenkreuzern, Eckankar und im New Age ebenso wie von einigen (nicht allen) Vertretern von Wicca und Okkultismus.


Anthroposophie
Die Anthroposophie Rudolf Steiners erhebt den Anspruch, im Ganzen ihrer angeblich wissenschaftlichen Erforschung geistiger Dinge, in die sie Lehren unterschiedlicher Religionen einzubinden strebt, auch die Wiedergeburt untersuchen zu können. Steiner erläutert unzählige Male Anfang und Ende der Inkarnationsreihen, Auswirkungen früherer und Vorbereitungen späterer Leben in einem gerade laufenden, Ähnlichkeiten im Äußeren des Menschen durch mehrere Inkarnationen hindurch, die Kombination des von den Eltern Ererbten mit eigenen inneren Formungskräften ("Wesensgliedern") und die Zustände, in denen sich die Seele zwischen dem Tod und einer neuen Geburt befinde und gibt sogar konkrete Angaben dazu, wer als wer wiedergeboren worden sein soll, wobei sich vor allem eine Bewegung vom arabischen Kulturkreis in den europäischen herauskristallisiert.


Esoterik und New Age
In der Esoterik und im New Age wird das Konzept der Reinkarnation von vielen Richtungen vertreten, wenn auch in unterschiedlichen Ausprägungen. So entwickelte Thorwald Dethlefsen die Münchner Schule der Reinkarnationstherapie.

In bestimmten New Age-Kreisen wird behauptet, dass das frühe Christentum an Reinkarnation geglaubt habe. Die Argumente, die aufgeführt werden, sind spezifische Auslegungen von Bibelstellen (Mt 11,14, Mt 17,12f, Joh 9,1ff., die Anhängerschaft einzelner Kirchenväter (z.B. Origenes), oder die Verschwörungstheorie, der Papst oder ein Konzil habe alle ursprünglichen Hinweise auf eine Reinkarnationslehre aus sämtlichen Bibeln getilgt. Alle Argumente können leicht widerlegt werden: Origines vertrat keine Reinkarnationslehre, sondern das davon klar unterschiedene Konzept der Präexistenz der Seele, die Tilgung aller Bibelstellen aus den unzähligen erst heute entdeckten historischen Bibeltexten war der Kirche damals völlig unmöglich.


Spiritismus
Der Spiritismus glaubt an eine Seele, die unwissend und egoistisch von Gott erschaffen worden sei und durch mehrfach wiederholte Inkarnation auf der Erde und anderen Planeten die Möglichkeit erhält, sich zu vervollkommnen.


Naturwissenschaftlich orientierte Reinkarnationslehren [Bearbeiten]Diese Art von Reinkarnationslehren können weder als religiös noch esoterisch bezeichnet werden. Sie gehen von der Theorie der ewigen Wiederkehr aus, wie wir sie in der Philosophie bei Friedrich Nietzsche oder in der Physik bei Henri Poincaré finden, haben also philosophische und naturwissenschaftliche Grundlagen.

Heutige Lehren dieser Art versuchen mit Erkenntnissen der Naturwissenschaft in Einklang zu stehen und leiten eine objektive Notwendigkeit von Reinkarnation aus physikalischen und mathematischen Gesetzmäßigkeiten ab, vor allem aus der Begrenztheit der Kombinationsmöglichkeiten materieller Systeme sowie der Austauschbarkeit identischer materieller Systeme (berücksichtigen dabei das Verhältnis von Relevanz und Irrelevanz bzw. die Dialektik von Identität und Unterschied). Sie gehen von einer Unendlichkeit des Raumes und der Zeit aus, wobei auch die Urknalltheorie nicht außer Acht gelassen wird.

Im Gegensatz zu allen anderen bekannten Reinkarnationslehren wird hier nicht von einem Fortbestehen der Seele nach dem Tod und deren Übergang auf einen neuen Körper ausgegangen. Vielmehr soll jede Seele nach dem Tod völlig neu hervorgehen, sobald die dafür grundlegenden Bedingungen vorliegen. Gedanken dieser Richtung von Reinkarnationslehren findet man zum Beispiel bei Frank J. Tipler (USA) oder Rumen Bacharow (Deutschland).


Totalitäre religiöse Gruppen
In einigen totalitär ausgerichteten Gruppen wie dem Universellen Leben oder Scientology wird ebenfalls Reinkarnation gelehrt. Der geistliche Aufstieg zu höheren Seinszuständen ist dabei angeblich nur innerhalb der jeweiligen Gruppe möglich; außerhalb der Vereinigung drohe eine "Hölle des ewigen Abstiegs".


Reinkarnationsforschung

Reinkarnationsforschung versteht sich als Parawissenschaft, die versucht wissenschaftlich die Frage nach der Existenz von Reinkarnationen zu beantworten. Dazu werden Fälle untersucht, in denen Menschen behaupten, sich an frühere Leben zu erinnern. Die zugrundeliegende eigenständige Vorstellung von Reinkarnation unterscheidet sich dabei stark von hinduistischen und buddhistischen Konzepten, die meist keine Erinnerung an Vorleben vorsehen.


Literatur
Rumen Bacharow: Die Reinkarnation als logische Notwendigkeit. Osiris-Druck, Leipzig 2004, ISBN 3-9809165-4-5
Perry Schmidt-Leukel (Hrsg.): Die Idee der Reinkarnation in Ost und West. Mit Beiträgen zahlreicher Wissenschaftler. Diederichs, München 1996, ISBN 3-424-01335-8
Helmut Zander: Geschichte der Seelenwanderung in Europa. Alternative religiöse Traditionen von der Antike bis heute. Primus-Verlag, Darmstadt 1999, ISBN 3-89678-140-5
Ronald Zürrer: Reinkarnation. Die umfassende Wissenschaft der Seelenwanderung. 4. Auflage, Govinda-Verlag, Zürich 2003, ISBN 3-906347-51-6
Emil Bock: Wiederholte Erdenleben. Die Wiederverkörperungsidee in der Deutschen Geistesgeschichte. Urachhaus, Stuttgart 1996 (zuerst 1932), ISBN 3-87838-027-5
Brian L. Weiss, "Die zahlreichen Leben der Seele", Goldmann Arkana, 2. Aufl. 2005, ISBN-13 978-3-442-21751-9

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