Alchemie gestern und heute

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Alchemie gestern und heute

Beitrag von Tinkabella am Fr Jun 18, 2010 7:49 pm

Die Alchemie kann in gewisser Weise als Vorläufer der modernen
Chemie verstanden werden - genauso wie die heutige Astronomie aus der
Astrologie erwachsen ist. Die Bezeichnung Alchemie setzt sich aus
dem arabischen Artikel al und dem Wort chemeia zusammen. Der Ursprung
dieses Wortes ist wohl im Ägyptischen zu suchen: In
Hieroglyphenschrift bezeichnet "`Keme"' die fruchtbare, schwarze Erde
Ägyptens; chemeia wäre dann also die Beschäftigung "`dem
Schwarzen"', wobei darunter eine nicht näher bezeichnete Substanz zu
verstehen ist.
Die Kunst der Alchemie hatte sich vor allem die Verwandlung von
Metallen zum Ziel gesetzt, die melansis/melanosis =
Schwärzung. Daher wurde Schwarzblei auch als Urmaterie
angesehen. Die "`schwarze Kunst"' der Alchemisten bestand darin, diese
Urmaterie zusammenzumischen und aus ihr andere Stoffe zu isolieren.

In spätantiker Zeit allerdings wurde der Name Alchemie in
Zusammenhang mit einem "`Urvater"' dieser Kunst in Zusammenhang
gebracht. Zosimus (4. Jh.) nennt hier einen Mann namens
Chemes/Chimes/Chymes, der von späteren Autoren zum Prophet und
Offenbarer stilisiert wurde. Diese Herleitung des Namens ist
allerdings wenig wahrscheinlich; Chemes ist wohl eher ein Beispiel des
in der Antike üblichen Dranges, für alles einen Ursprung oder
Erzeuger zu suchen.

Alchemie als mystische Wissenschaft

Ab wann es Alchemisten im eigentlichen Sinne gegeben hat, wissen wir
nicht, da viele Schriftquellen aus vorgeschichtlicher und antiker Zeit
heute verloren sind. Ihre Ursprünge liegen also im Dunkeln. Der
Inhalt einiger Papyri zeigt jedoch, dass schon in den ägyptischen
Tempeln Techniken betrieben wurden, die als Vorläufer
alchemistischer Praktiken angesehen werden können. Zu nennen ist
hier die Bearbeitung von Metallen, die Herstellung von Farbstoffen
usw. Auch die Glasherstellung -- spätestens seit dem 14. Jahrhundert
v.u.Z. im großen Maßstab in der Levante (Kleinasien) belegt --
kann wohl zu dieser frühen Form der Alchemie gerechnet
werden.
In
alter Zeit galt das Wissen um die Verwandlung von Metallen als streng
geheim und wurde nur Auserwählten zugänglich gemacht. Als es in
hellenistischer Zeit zu einem verstärkten Kontakt zwischen
griechischer Philosophie und dem über Jahrtausende in ägyptischen
Tempeln angesammelten Wissen kam, war die Entstehung der Alchemie im
eigentlichen Sinne nur noch eine Frage der Zeit. Plato und Aristoteles
lieferten in einigen ihrer Werke den philosophischen Unterbau einer
"`Lehre von der Verwandlung von Metallen"'. Ihre Ideen wurden von den
ägyptisch-hellenistischen Priestern aufgenommen und für deren
Zwecke passend gemacht. Diese Priester sind somit als eigentliche
Väter der Alchemie zu bezeichnen. So ist es auch verständlich,
dass in sp"ateren Schriften Alchemisten sich selbst als Priester und
Mysten einer geheimen, göttlichen Kunst bezeichneten, die ihnen von
altägyptischen Priestern überliefert worden sei. So wird als
Gründervater der Alchemie häufig auch Hermes Trismegistos
genannt. Hermes T. ist laut Brockhaus Enzyklopädie mit dem
ägyptischen Gott Thot (Gott der Wissenschaften) gleichzusetzen, aber
ob das so stimmt? Zumindest kann die Alchemie in antiker Zeit als
mystische Wissenschaft bezeichnet werden; sie wies also viele Züge
auf, die man auch bei antiken Mysterienkulten findet. Zuallererst war
es eine Geheimlehre; das Wissen wurde von den Meistern an als würdig
empfundene Schüler weitervermittelt. Auch die Aufnahme eines neuen
Schülers (Adept) scheint mit Zeremonien verbunden gewesen zu sein,
wie sie in Mysterienkulten üblich waren. Der Novize schwor einen
Eid, das ihm gegebene Wissen keinem Uneingeweihten mitzuteilen. Im
Gegenzug musste der Meister versichern, dass er alles übernommene
Wissen restlos mitgeteilt habe. Auch fand nicht jeder Aufnahme bei den
Alchemisten: so forderte man von den Adepten Reinheit, Wahrhaftigkeit
und Neidlosigkeit.
Die Sprache der Alchemisten war bewusst nebulös gehalten und musste
durch Offenbarungsvisionen erschlossen werden. Auch Zeichen und
Symbole der alchemistischen Arbeiten waren voller Geheimnisse. So zum
Beispiel wurde die ihren eigenen Schwanz verschlingende Schlange (dracon
uroboros) als Zeichen für den Begriff "`göttliches Wasser"', d.h. für alle
verwandelnden Präparate des "`weissenden, beweglichen, giftigen Quecksilbergeistes"'
verwendet. Die Namen der Metalle werden in den alten Schriften mit den
Planetenzeichen verschlüsselt.
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